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Streuobst neu denken

Die Erntezeit ist die spannendste Zeit im Jahr. Was vorher gemächlich heran gewachsen ist, will nun geerntet werden. Alleine kommt man dabei nicht weit und so fragt man Freunde, ob sie helfen können. Gemeinsam an der frischen Luft erzählt man sich unter dem Apfelbaum zahlreiche Geschichten und hat eine schöne Zeit. So war es die letzten Jahre bei uns, doch dieses Jahr war vieles anders. 

An mehreren Stellen im Saarland und dem nahen Rheinland-Pfalz konnten wir Familien, Gruppen von Freunden und Initiativen davon begeistern, Obst für PICA PICA zu sammeln. Es wurden Flächen genutzt, die seit Jahren brach lagen und dieses Jahr zum ersten Mal, seit langer Zeit wieder geerntet wurden. Die Flächen wurden nicht mehr bewirtschaftet, da schlichtweg die Abnehmer für das Obst gefehlt haben und die Bewirtschaftung zu teuer ist.

Die Streuobstwiese ist kein Freiluftmuseum, das man zwar anschauen- aber nicht nutzen kann. Die Streuobstwiese ist eine Kulturlandschaft, die extensiv bewirtschaftet werden muss, damit sie überlebt. Wie können wir in Zukunft mehr Nutzen aus diesen Flächen ziehen? 

 

Dafür haben wir uns in diesem Jahr mit Nadja und Hans aus Hoof (St. Wendel) getroffen. Nadja und Hans betreiben eine Soay-Schafszucht um diese Rasse vor dem Aussterben zu retten. Soay-Schafe stellen eine sehr frühe Form des Hausschafes dar, die vom Verhalten und Aussehen nicht viel mit den typischen Hausschafen zu tun haben. Diese Rasse gibt nicht genug Milch, um sie z.B. zu Käse zu verarbeiten. Die Wolle kann nicht verarbeitet werden, da sie mit dem Fellwechsel ausfällt. Auf der anderen Seite muss ein Soay-Schaf also auch nicht geschoren werden. Eine ideale Rasse, um fast autark auf der Streuobstwiese eingesetzt zu werden. Und genau hier halten Nadja und Hans ihre Schafe. Auf einer alten Streuobstwiese hinter ihrem Haus. Erst war es eine Wiese, dann haben auch die Nachbarn angeboten, die Schafe auf den angrenzenden Streuobstwiesen grasen zu lassen. Mittlerweile werden die Tiere eingesetzt um verwilderte Streuobstwiesen von Brombeeren und Heckenwuchs zu befreien. Es ist kein großer Heckenmulcher nötig, der mit einem Mal alles häckselt was nicht auf Drei wegspringt. Die Artenvielfalt kann erhalten bleiben, sie steigt sogar nach dem Einsatz der Tiere. Diese traditionelle Bewirtschaftung der Streuobstwiesen ist für uns zukunftsweisend. Es muss in Kreisläufen gedacht werden, um Klimawandel und Artensterben in den Griff zu bekommen. 

 

Nadja und Hans wollten das Obst ihrer Wiesen dieses Jahr für PICA PICA ernten. Da dies alleine kaum möglich ist, musste tatkräftige Hilfe her. Der örtliche Fußballverein und seine jungen Spieler schienen wenig interessiert und so fragten die Beiden die Mitglieder der kurz zuvor gegründeten Bürgerinitiative „Gemeinsam für Natur und Zukunft-Hoof“ ob sie nicht Lust hätten bei der Ernte zu helfen. (Die Bürgerinitiative hat sich gegen einen geplanten Solarpark eingesetzt. Dieser hätte auf lange Zeit die von Hoof aus sichtbaren Hänge verschandelt und dort den Artenreichtum gefährdet.) Die Interessengruppe hat es geschafft 2300 kg feinste Streuobstwiesenäpfel (alles alte Sorten, deren Bestimmung uns schwer fiel) für uns zu sammeln. Das erwirtschaftete Geld wird nun genutzt, um die Altbestände durch Neupflanzungen zu ergänzen und die Wiesen somit stark für die Zukunft zu machen. 

Für die Besitzer und uns ein Lichtblick, gegen das verschwinden der Streuobstwiese. Wir freuen uns auf das gemeinsame nächste Jahr und die Ernte 2021.